Texte zu den Bildobjekten

bildkästen
punkte konkret | ringe und scheiben
patterns

bildkästen

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Im Übergang von der strengen Schwarz-Weiß-Fotografie und Dokumentation der steinzeitlichen Kulturstätten zu den freien künstlerischen Arbeiten von Inea Gukema-Augstein, stehen die Bildkästen. In die dick gespachtelte Gipsschicht setzt sie archaische Zeichen und Symbole. Die Verwendung von Erden und reinen Farbpigmenten führt zu einer faszinierend intensiven Farbigkeit der Oberflächen, die jedoch so empfindlich sind, dass sie nur hinter Glas gezeigt werden können.

punkte konkret | ringe und scheiben

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Inea Gukema-Augstein wendet sich dem klassischen Tafelbild zu, der Malerei auf Holz. Ihre Zeichen verlassen den „Bildkasten“. Den Formen bleibt sie treu, spielt allerdings immer mehr mit dem Kreis, der runden Urform, die schon Aristotoles als vollkommen beschreibt. Die Punktebilder folgen eigenen Gesetzmässigkeiten, entwickeln ein eigenes „Schriftbild“, einen eigenen Rhythmus, stringente Ordnungen in linear unendlichen Setzungen. In meditativer Wiederholung setzt Inea Gukema-Augstein Punkt für Punkt aneinander.
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Nicht umsonst haben die Erkenntnisse der Quantenphysik unser Weltbild so radikal verändert. Alle Teilchen der physikalischen Welt müssen sich bewegen oder sie hören auf zu existieren. Das mechanische Weltbild, die Vorstellung, das Ganze sei nur die Summe aller Teilchen, alles ließe sich messbar erklären, wurde gründlich in Frage gestellt. Der Quantensprung beschreibt winzig kleine, aber explosive Sprünge eines Materieteilchens, das sich von einem Ort zum anderen bewegt, das die Bahnen wechselt, um dem Tod durch Energieverlust und Absturz ins Atom zu entgehen.
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So muss es uns nicht verwundern, dass Inea Gukema-Augsteins „Punkte konkret“ keiner vorhersehbaren Bahn folgen, nie geometrisch streng auf Linie gebracht werden, sich einem dynamischen Fluss gleich weiterentwickeln. So erzeugt die Künstlerin Spannungen und Harmonien, die mit dem Auge verfolgt, beobachtet, nachvollziehbar werden.

patterns

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Es entstehen Serien von Formen und Zeichen, die vergrößert plötzlich für sich stehen. Erst in der Serie entdecken wir Ähnlichkeiten und Unterschiede. Inea Gukema-Augstein entwickelt amorphe Figuren, die Assoziationen zum Realen aufscheinen lassen. Die Formen wirken durch ihre lasierende, durchscheinende Farbigkeit auf gedecktem, ruhigem Farbgrund, der Malgestus verschwindet. Steht in den früheren Exponaten die Wechselwirkung der Punkte- und Strichabfolgen, so geht es hier um die Wechselwirkung von Formen und dem sie umgebenden Raum.